Recruiting ohne Handschlag

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Warum digitale Prozesse keine Ausrede mehr sind – sondern ein Kulturtest.
Ein Interview mit Patrick, Co-Founder WorkFlex International BV

Einordnung: Digital ist nicht das Problem – Unklarheit ist es.

Digitale Bewerbungsgespräche, Remote-Onboarding und verteilte Teams sind längst Normalität. Und trotzdem steigen Kündigungen in der Probezeit, Candidate Experience bleibt oft Theorie, und neue Mitarbeitende docken nicht richtig an.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob digitales Recruiting funktioniert. Die Frage ist: Hast du deine Prozesse wirklich im Griff – oder verstärkt die Digitalisierung nur deine Schwächen?

Im Gespräch mit Patrick wird klar: Recruiting ohne Handschlag bedeutet nicht weniger Nähe – sondern mehr Verantwortung.

1. Beziehung entsteht nicht durch Wände, sondern durch Klarheit

Tjalf:

Kann echte Beziehung im rein digitalen Setting entstehen – oder fehlt ohne physischen Kontakt immer etwas?

Patrick:

Beziehung kann absolut digital entstehen. Wir arbeiten bei WorkFlex vollständig remote – ohne physisches Office. Kultur entsteht nicht durch Räume, sondern durch bewusste Gestaltung.

Wenn Kommunikation klar ist, Erwartungen transparent sind und Wertschätzung gelebt wird, funktioniert Bindung auch ohne Büroflur.

Remote verstärkt Kultur. Gute Kultur wird sichtbarer. Schlechte Kultur auch.


Wenn Beziehung digital möglich ist, stellt sich die nächste Frage: Warum verlieren so viele Unternehmen trotzdem gute Kandidaten?

2. Der Perspektivfehler im Recruiting

Tjalf:

Wo siehst du die größten Fehler, wenn Unternehmen Recruiting primär digital denken?

Patrick:

Viele optimieren ihren Prozess aus Unternehmenssicht. Sie fragen: Wie können wir effizienter auswählen?

Die wichtigere Frage lautet: Wie erlebt der Bewerber unseren Prozess?

Top-Kandidaten haben Auswahl. Recruiting ist Wettbewerb. Geschwindigkeit, Klarheit und Wertschätzung entscheiden.

Wenn jemand drei Wochen auf eine Rückmeldung wartet, ist das kein Organisationsproblem – das ist ein Signal.


Damit wird klar: Candidate Experience ist kein Wohlfühlthema. Es ist ein strategischer Hebel.

3. Candidate Experience ist Struktur – nicht Freundlichkeit

  1. Drei Faktoren sind entscheidend:
  • Geschwindigkeit – schnelle, verbindliche Rückmeldungen.
  • Transparenz – klare Information über Prozess und Erwartungen.
  • Augenhöhe – Interviews als beidseitige Entscheidung.

Im digitalen Kontext werden kleine Schwächen sofort sichtbar: Unpünktlichkeit, unklare Gesprächsführung, fehlende Struktur.


Doch selbst wenn Recruiting überzeugt, beginnt der eigentliche Härtetest erst nach der Unterschrift.

4. Onboarding: Der unterschätzte Risikofaktor

Tjalf:

Was ist der größte Fehler im digitalen Onboarding?

Patrick:

Onboarding wird oft auf IT-Setup reduziert. Laptop, Zugänge, Teams-Account – fertig. Aber Integration beginnt bei Erwartungsklarheit.

Neue Mitarbeitende müssen wissen: Wie funktioniert das Unternehmen? Wer ist wofür zuständig? Welche Ergebnisse werden in den ersten 30 Tagen erwartet?

Ein klarer 30-Tage-Plan ist kein Extra, sondern Führungsverantwortung.

Remote verstärkt hier ein Problem: Was im Büro nebenbei gelernt wird, muss digital bewusst gestaltet werden.


Wenn Erwartungen nicht sauber geklärt sind, entstehen Reibungsverluste. Und genau dort beginnen Kündigungen.

5. Kündigungen in der Probezeit sind kein Zufall

Tjalf:

Warum nehmen Kündigungen in der Probezeit zu?

Patrick:

Oft stimmen Erwartungen nicht überein. Gerade im Remote-Kontext wird Flexibilität manchmal mit geringerer Leistungsanforderung verwechselt.

Deshalb kommunizieren wir im finalen Interview sehr klar: Remote heißt flexibel – aber performance-orientiert.

Manche springen dann ab. Das ist gut so. Eine nicht zustande gekommene Zusammenarbeit ist günstiger als eine Fehlbesetzung.

Recruiting ist kein spontanes Versprechen. Es ist ein strukturierter Abgleich von Erwartungen.

6. Über WorkFlex International BV

WorkFlex unterstützt HR- und Global-Mobility-Teams dabei, Auslandsreisen rechtssicher zu gestalten. Die Software automatisiert komplexe Compliance-Prozesse – von A1-Bescheinigungen über EU-Meldepflichten bis hin zu arbeitsrechtlichen und steuerlichen Fragestellungen.

Über 500 Unternehmen setzen bereits auf die Lösung. Seit der Gründung ist WorkFlex auf über 100 Mitarbeitende gewachsen – vollständig remote organisiert.

Fazit: Digital entlarvt Führung.

Recruiting ohne Handschlag ist kein technisches Problem. Es ist ein Führungs- und Kulturthema.

Digitalisierung macht Prozesse nicht schlechter – sie macht sie sichtbarer. Wenn deine Prozesse schwach sind, werden sie im Remote-Setting offengelegt.

Wenn du jedoch Geschwindigkeit, Transparenz und Erwartungsklarheit lebst, entsteht Bindung – auch ohne Büro.

Warum digitale Prozesse zum Kulturtest werden

Recruiting im Remote-Zeitalter: Warum Candidate Experience kein Nice-to-have ist.

Ein Interview mit Patrick, Co-Founder WorkFlex International BV.

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