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Freitag, 11 Oktober 2019 19:11

Twitter! Oder, warum wir immer schlechter kommunizieren

 

Auf einem Digitalisierungssymposium wurde ich vor einigen Tagen von einer Teilnehmerin gefragt, wie ich die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kommunikation einschätzen würde. Klar sprach ich über die Vorteile von Slack, Trello usw…

Doch eines geht mir immer wieder durch den Kopf. Vor langer Zeit habe ich von einem Kommunikationstrainer die Formel GoRiMa gelernt. Nach dieser sollte erfolgreiche zwischenmenschliche Kommunikation in der folgenden Reihenfolge ablaufen: Wenn du ein Anliegen hast, so gehe zu deinem Gesprächspartner (=Go) und bespreche die Dinge mit ihm.  Von Angesicht zu Angesicht kannst du auch die feinen Zeichen der nonverbalen Kommunikation erkennen und Rückfragen stellen. Missverständnisse lassen sich schnell erkennen und ausräumen.

Ist dein Ansprechpartner zu weit entfernt und drängt das Thema, dann telefoniere mit ihm (Ring=Ri). Im Gegensatz zum direkten Dialog haben wir hier schon einen deutlichen Qualitätsverlust an zwischenmenschlicher Kommunikation. Die Kommunikation beschränkt sich auf einen Sinn, das Hören. Wichtige Signale, die wir mit den anderen Sinnen aufnehmen würden, bleiben außen vor. Die Chance von Missverständnissen erhöht sich gravierend. Zuletzt, wenn auch ein Telefonat nicht möglich scheint, sollten wir zur Mail greifen (=Ma). Hier ist der Sinnfilter maximal und die Gefahr von Fehlinterpretationen sowie Missverständnissen inhärent.

Was erleben wir aber im beruflichen und privaten Alltag? Exakt das Gegenteil: MaRiGo ist der Regelfall. Wobei an die Stelle der Mail immer häufiger die Nachricht per WhatsApp & Co tritt und man hier unter beinahe vollkommener Ausschaltung aller Sinnesorgane in einen vermeintlichen Dialog tritt, bei dem selbst scheinbar Gefühle ausdrückende Emoticons fleißig missinterpretiert werden.

Und somit sind wir bei Donald Trump aber auch vielen anderen Politikern. Schnell mal einen Tweet raushauen… Maximale Irritation und Empörung sind oftmals die Folge. Das ist keine Kommunikation. Das ist Provokation. Insofern ist Twitter eher ein Provokations- denn ein Kommunikationsmedium.

In einer so instabilen Welt sollte aber bei den Großgewaltigen der Politik der echte Dialog im Vordergrund stehen – der ziel- und lösungsorientierte Austausch von Meinungen und Gedanken. Hier wünsche ich mir das Go-, allenfalls das GoRi-Prinzip.

Das alles hatte ich nicht im Kopf, als ich schnell auf die Frage der Dame einging… Ich hätte sagen sollen: Nutzen sie die Vorteile der Kollaborationsmedien für die Information ihrer Stakeholder. Wenn es aber um echte Kommunikation wichtiger Themen geht, so gehen sie in den direkten zwischenmenschlichen Dialog – Go!

Schönes Wochenende wünscht der Streitforscher

Frank Weber

weber.advisory

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