Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Hinweis ausblenden
Dienstag, 04 April 2017 12:49

„Deutsche Firmen kommen mit viel weniger Chefs aus“

 

So der Titel eines Artikels heute bei Spiegel-Online. In deutschen Unternehmen hätten Chefs für viel mehr Mitarbeiter Verantwortung als in britischen oder amerikanischen. Der Bericht basiert auf einer Studie die von der Hans-Böckler-Stiftung unterstützt wurde. Vor allem drei Aspekte seien notwendig, damit eine Firma mit wenigen Chefs auskomme: eine qualitativ hochwertigen Berufsbildung, ein hoher Anteil interner Beförderungen und eine Arbeitnehmervertretung. Sobald nur eines dieser Elemente fehle, nehme der Überwachungsbedarf erheblich zu.

Interessant, dass die Hans-Böckler-Stiftung, immerhin zum Deutschen Gewerkschaftsbund zugehörig, die Betrachtung so einseitig auf die Überwachung von Mitarbeitern legt und nicht auf deren Zufriedenheit oder Engagement.

26 ist zu viel!

Unternehmen mit einer Führungsspanne von 26 und mehr Mitarbeitern pro Führungskraft machen einen Fehler. Diese Leitungsspanne ist bei weitem zu groß! In der betriebswirtschaftlichen Literatur wurde vielfach der Versuch unternommen, eine optimale Größe der Leitungsspanne zu bestimmen. Während die einen 8-10 sagen so gibt es andere Stimmen, die von 11-14 sprechen. Wir bei weber.advisorysind der Meinung, dass eine Führungsspanne grundsätzlich nur so groß sein sollte, dass es einer Führungskraft immer möglich ist, gut innerhalb dieser Spanne zu führen. Dabei haben wir ein sehr viel weitergehendes Verständnis von Führung als die bloße Überwachung von Mitarbeitern. Führung ist für uns die Gesamtheit aller Maßnahmen von Chefs, die auf die Kooperation, Koordination, und Kommunikation aller Angehörigen einer Organisation einwirken.

Ist das bei 26 Menschen für eine einzige Führungskraft noch machbar? Oder geht das bei US-Verhältnissen mit nur 7,1 Mitarbeitern pro Chef einfacher?

Gemessen am jährlich vom Gallup-Institut erhobenen Engagement-Index spricht sehr viel gegen eine Führungsspanne von 26 wie sie in Deutschland üblich ist. Nachfolgende Tabelle zeigt, dass wir eher zu den Schlusslichtern gehören, wenn es um hohes Engagement von Mitarbeitern geht.

Land Anteil hoch engagierter Mitarbeiter Führungsspanne
USA 32% 7,1
Schweiz 22% 13,6
Deutschland 13% 26

 

Je geringer die Leitungsspanne, desto höher das Engagement der Mitarbeiter.

Wirksame Führungskräfte beginnen jeden Arbeitstag mit der Frage: „Wie kann ich heute meine Mitarbeiter noch besser unterstützen, sie erfolgreicher machen?“ Das geht nun einmal bei 10 Mitarbeitern deutlich besser als bei knapp 30.

Betrachtet man das für den Erfolg von Unternehmen so wichtige Engagement von Mitarbeitern, so wären deutsche Unternehmen besser beraten ein paar Chefs mehr einzustellen. So gesehen waren es keine guten Nachrichten, die Spiegel-Online heute verkündet hat. Wir sollten nicht stolz auf die geringe Zahl von Chefs sein, sondern eher über das geringe Mitarbeiterengagement nachdenklich sein. Vielleicht nehmen die Journalisten von SPON beizeiten das Thema des Mitarbeiterengagements auf - vieles wurde ja bereits dazu gesagt; auch von uns ;-) 

Sonnige Grüße und eine schöne restliche Woche

Frank Weber (weber.advisory)

 

Gelesen 1868 mal